Emotionale Identität:
Wie wir uns zu Hause fühlen.

Inspiration zum Neumond im Krebs
am 16. Juli 2015
 

Neumonde sind gute Momente, um  inne zu halten und das Bewusstsein neu auszurichten. Jeder Neumond ist wie eine kurze Atempause zwischen Aus- und Einatmung, ein Moment der Energieleere und des Innehaltens.  Wir können ihn als Saatmoment nutzen, um uns bewusst einzuloggen in die aktuelle Qualität der Zeit und stimmige innere Impulse setzen.

 

Am 16. Juli steht der Neumond im Zeichen Krebs. Es ist das erste Zeichen im Tierkreis, das dem Element Wasser zugeordnet ist. Damit werden im Lauf der Sonne durch den Tierkreis - nach Widder~Feuer, Stier~Erde und Zwillinge~Luft - zum ersten Mal die vier Elemente einmal vollzählig bevor es mit Löwe als zweitem Feuerzeichen in den nächsten Lauf durch die Elemente geht. 

 

 

Das Element Wasser:
Im Fluss mit dem Leben.

Das Element Wasser ist unter den vitalen Kräften der Schöpfung die fließende Bewegung. Das Wesen des Wassers hat keine Festigkeit oder eigene Form. Wasser gewinnt durch Nachgeben. Es ist mit der Erde eine Energie, die passiv und empfangend ist.  Während Luft und Feuer aktive und expansive Ausdrucksformen von Energie sind (Yang), da sind Wasser und Erde eher erhaltend und intensiv (Yin). Sie stehen stärker unter Einfluss der Schwerkraft, sie sammeln und konzentrieren sich am tiefsten Punkt.

 

Wasser verkörpert das Gemüthafte, den Bereich der Emotionen und Gefühlsreaktionen. Wasser ist die Energie in Bewegung (e-motion), die wir brauchen, um Körper und Geist miteinander in Verbindung zu bringen. Wasser betonte Menschen sind Fühl-Menschen. Fehlt das Wasserelement, so unterliegt oft die gesamte Gefühlsseite der Verdrängung und es besteht ein schlechter Kontakt zu den eigenen Bedürfnissen. Es fehlt auch die reinigende und heilende Kraft, um emotional wie physisch bedingte Ablagerungen immer wieder auch auszuleiten.

 

Dagegen kann eine Überbetonung von Wasser dazu führen, dass ein Mensch zu empfänglich ist für alle Gefühlsregungen, beeinflussbar wie ein Blatt im Wind, vollgesogen und gefangen in seinen Gefühlen bis hin zur Selbstversunkenheit und der Neigung zu extremen, von tiefen unbewussten Sehnsüchten gesteuertem Verhalten.

 

 

Die innere Mutter:
Wo wir uns zu Hause fühlen.

 

Krebs und sein Herrscher, der Mond, stehen für die emotionale Identität eines Menschen, für sein subjektives Empfinden und sein Bedürfnis nach Geborgenheit und emotionaler Sicherheit.

 

Zu Krebs gehört die Fähigkeit, aus dem Gefühl heraus in Kontakt mit sich selbst und anderen zu sein. Es ist die Verbindung mit den eigenen Empfindungen und Bedürfnissen, aus der sich ein Gefühl von tiefer innerer Geborgenheit entwickeln kann. Hier ist das Gefühl verankert, zu wissen wo man hingehört, wo und wie man sich emotional zu Hause fühlt - und zwar vor allem erst einmal bei sich selbst. Es geht um die Ausbildung eines gesunden Selbst-Gefühls.

 

Um zu sehen, wie es um die  emotionale Identität einer Person bestellt ist, was sie braucht um sich in sich geborgen zu fühlen, schaut man für die astrologische Beratung die Betonung des Wasserelementes und die Krebs-Faktoren an. Wo steht das Zeichen Krebs, was ist im vierten Haus und wie ist vor allem auch der Mond gestellt?  

 

Der Mond, Herrscher des Zeichens Krebs, sagt auch etwas über die Fähigkeit zu Fürsorge gegenüber sich selbst und anderen aus. Er steht für die Bedürfnisse des inneren Kindes ebenso wie für die Fürsorglichkeit der inneren Mutter. Die Energie ist empfangend, annehmend, nährend – vergleichbar der Sommerstimmung, in deren Wärme und Fülle Körper und Seele wie selbstverständlich entspannen und auftanken können ohne viel dafür zu tun.

 

In der Psychologie der Chakren entspricht Wasser und die Energie des Mondes dem zweiten Chakra. „Svadisthana“ bedeutet „Mein eigener Platz“. Es ist hier auch das emotionale, sinnliche erfahrbare Zuhause in sich selbst sein gemeint.

 

 

 

Entwicklung des Selbst-Gefühls:
Durch Berührung in Verbindung.

 

Die Gründe, warum jemand kein gesundes Gefühl für sich selbst und seine Bedürfnisse aufbauen konnte, sind sehr vielfältig. Kollektive wie individuelle Traumata, aber auch persönliche Anlagen von Mutter und Kind können die Ursache dafür sein, dass ein Kind kein sicheres Gefühl für sich und sein Kern-Selbst und damit auch kein gutes Urvertrauen entwickeln kann.  

 

In Verbindung mit sich selbst und anderen sein zu können, wird sehr früh gelernt und beginnt zunächst mit der Entwicklung der physischen Identität. Die erste Sprache, die wir sprechen, sind unsere Emotionen, die wir als Kinder instinktiv über den Körper und seine Sinne zum Ausdruck bringen. Wir lernen, uns selbst zu erfahren durch die Art, wie wir von unserer Mutter oder dem Elternteil, das Mutterfunktionen ausübt, durch Berührung unmittelbar beantwortet werden.

 

Kinder brauchen sinnlichen Input, um eine Verbindung zwischen Körper und Geist aufbauen zu können. Die Sinne sind die Bausteine für die Entwicklung unserer emotionalen Intelligenz. Ein zu viel oder zu wenig an sinnlichem Stimulus ruft erhebliche innere Konflikte beim Kind hervor. Fehlt Berührung, so entwickelt sich ein grundlegendes Gefühl tiefer Angst und Verlorenheit. Wird das Kind überflutet und es werden seine natürlichen Grenzen nicht gewahrt, so wird es sich vielleicht ganz in eine innere Welt zurückziehen. Suchtverhalten und Schwierigkeiten, Beziehungen aufzubauen, können einige der späteren Folgen sein.

 

 

Ich bin was ich fühle:
Unsere emotionalen Identität.

 

Durch unseren Körper entwickeln wir nicht nur ein erstes Gefühl für uns selbst. Wir bringen auch unsere ersten rohen Gefühle zum Ausdruck und lernen durch Rückkoppelung Bewusstsein für unsere ersten Gefühlsreaktionen zu entwickeln. Das Kind lernt durch Spiegelung, dass ein bestimmter innerer Zustand vielleicht  Angst, Traurigkeit oder Wut heißt und gleicht diesen inneren Zustand ab mit einer äußeren Wirklichkeit.

 

Wenn dies gut gelingt, so lernt das Kind, dass sein inneres Erleben seine Richtigkeit hat. Es lernt, seine innere Wahrheit wahrzunehmen und auch angemessen auszudrücken. So baut sich ein Grundvertrauen in sich selbst auf. Das was innen erlebt wird, wird dann sicher nicht immer als angenehm, aber zunächst einmal als „grundlegend richtig“ erlebt und kann aus einem Gefühl für die innere Wahrheit in Bezug gesetzt werden zur äußeren Welt.

 

So lernen wir, uns zu nehmen, was wir brauchen, um uns emotional satt zu fühlen. Oder wir wissen uns zu schützen vor Zuständen, die uns innerlich hungrig, leer oder auch völlig überfordert fühlen lassen.   

 

Feeling Lost: Wenn Gefühl
und Selbstbild auseinanderfallen.

 

Wenn das Kind wiederholt „falsch gespiegelt“ wird, weil es immer wieder vermittelt bekommt, dass sein Gefühl – warum auch immer – unerwünscht sei oder aufgrund mangelnder Schwingungsfähigkeit der Eltern überhaupt gar nicht beantwortet werden kann, so wird es sein inneres Erleben als „falsch“ einordnen. Bestimmte Gefühle müssen daher unterdrückt und verdrängt werden oder sie werden als äußerst schuldhaft erlebt.

 

Die Folge ist eine Fehl-Vernetzung, eine Programmierung nach Vorstellungen der Außenwelt anstatt nach der selbst erlebten inneren Wahrheit. Um den Preis der Abspaltung vom eigenen Gefühl wird ein Bild vom Selbst aufgebaut, das dem äußeren Spiegel entspricht. Das Kind beantwortet dann die Eltern anstatt umgekehrt - als Überlebensstrategie, um im elterlichen System existieren zu können.

 

Es sind oft Menschen, die lernen in der äußeren Welt sehr gut funktionieren und teilweise sogar besonders erfolgreich sind. Der Preis ist jedoch oft erheblich und zeigt sich in einem schmerzlichen Gefühl von innerer Leere und Nicht-Verbunden-Sein mit sich selbst und dem ganzen Leben.

 

Der Grund auf dem diese Menschen stehen, ist von Ur-Misstrauen geprägt. Denn wenn die eigene unmittelbar erlebte emotionale Wahrheit in den Keller gesperrt werden muss, so kann sich ein grundlegendes Gefühl von „ich bin richtig so wie ich bin“ nicht entwickeln.

 

 

Annehmen was ist:
Nachheilung und der Weg des Wassers.

 

Die Anstrengungen, die unternommen werden, um dieses tiefe diffuse Gefühl von Falsch-Sein irgendwie zu korrigieren, können irgendwann über alle Kräfte gehen. Denn das außen avisierte Ziel wird das innen erlebte Loch ja doch nie stopfen können. Es ist ein Schmerz, der bei vielen in der Lebensmitte zu einem Zusammenbruch führt und dann aber bestenfalls auch dazu, sich noch einmal neu auf den Weg zu machen – hin zu sich selbst.

 

Der Weg des Wassers ist ein Prozess der Bewusstwerdung durch langsame aber sichere Verwirklichung der tiefsten Sehnsüchte der Seele. Die Verwirklichung der wahren Natur der Gefühle ist ein langsamer und mitunter auch schmerzvoller Vorgang, der im Laufe der Jahre aber eine wachsende innere Befriedigung und Tiefe ins Leben bringen kann.

 

Gelebte Selbst-Fürsorge und eine bedingungslose Akzeptanz für alles was unsere innere Wahrheit aus unserem Bauch heraus spricht, sind Wege, die uns in Kontakt bringen können mit unserem wahren Selbst. Sie können den Grund legen für eine gesunde Selbst-Liebe, die uns zärtlich in den Arm nimmt - so wie wir eben sind, mit all unseren Schwächen und Bedürfnissen - anstatt uns weiterhin anzutreiben, um einem perfekten Bild von uns selbst entsprechen zu müssen.     

 

Es ist die Rückkehr weiblichen Kraft in uns allen, die uns nährt und annimmt so wie wir eben sind – in jedem Moment – immer wieder jetzt – auch wenn wir uns klein und bedürftig fühlen. Lassen Sie sich einmal den Begriff Er-Wartung auf der Zunge zergehen. Es klingt eine sehr männliche Energie daraus: „ER wartet“.. Ja worauf denn? Es ist doch alles schon da.

 

In diesem Sinne wünsche ich von Herzen hingebungsvolle und erwartungsfreie Sommerwochen!

 

Mit herzlichen Grüßen & Namasté!

Julia Engel

 

 

 

Und hier ein paar Anregungen für ein
persönliches Reload zum Krebs Neumond:

 

  • Nehmen Sie einmal bewusst Kontakt auf zum Element Wasser: Wie fühlt es sich an, wie gehen Sie mit ihm um, was macht es mit Ihnen? Spüren Sie nach innen und außen.
     

  • Wie steht es um Ihre Empfänglichkeit: Wo können Sie gut annehmen und empfangen? Üben Sie doch einmal, etwas mehr geschehen zu lassen..
     

  • Achtsamkeitspraxis um Kontakt mit den eigenen – auch ungeliebten - Gefühlen herzustellen: Sie dazu Hinweis und Anregungen im Artikel über die Wut (Widder Neumond 2015)..
     

  • Für die Yogapraxis: Praktizieren Sie mehr als sonst fließende Asanas und solche, die das zweite Chakra stimulieren oder ausgleichen.
     

  • Welche ER-Wartungen haben Sie an sich selbst, die Sie so sehr treiben, dass Sie Ihre unmittelbaren Bedürf-nisse darüber vernachlässigen?
     

  • Nehmen Sie Kontakt mit Ihrem inneren Kind auf. Einfach Augen schließen und ins Herz spüren: Welches Kind zeigt sich, was hätte es gerne von Ihnen?
     

Foto: Rebekka Csizmazia

 

Julia Engel, 15. Juli 2015