Was bin ich mir wert?!
Der Weg über den Körper.

Inspiration zum Stier Neumond am 18. Mai 2015

Neumonde sind gute Momente, um  inne zu halten und das Bewusstsein neu auszurichten. Jeder Neumond ist wie eine kurze Atempause zwischen Aus- und Einatmung, ein Moment der Energieleere und des Innehaltens.  Wir können ihn als Saatmoment nutzen, um uns bewusst einzuloggen in die aktuelle Qualität der Zeit und stimmige innere Impulse setzen. 

 

Stier steht für das, was ich konkret mein eigen nennen kann. Der Aufbau und die Sicherung von Eigen-Raum und Eigen-Wert sind Entsprechungen von Stier - ebenso die Bildung eines eigenen Lebensstils, der auf einem selbst gebildeten Wertbewusstsein ruht.  

 

Zu Stier gehört der Selbstwert, der sich aus dem Bewusstsein und der Sicherung der körperlichen Eigenart ergibt. Hier ist das Gefühl verankert, etwas wert zu sein mit dem was ich hier und heute habe, bin und kann. Und es gehört die Fähigkeit dazu, das Leben mit all meinen Sinnen auch erleben und genießen zu können. 

 

Um zu sehen, wie es um den Selbstwert einer Person bestellt ist oder was sie als wertvoll erachtet, schaut man im Horoskop alle Stier-Faktoren an: Wo steht das Zeichen Stier, was ist im zweiten Haus, das dem Stier entspricht, wie ist die Venus gestellt? 

 

Stier sagt auch etwas über die Fähigkeit aus, finanziell selbständig und unabhängig zu sein und sich einen stimmigen Lebensraum aufbauen zu können. Symbolisch stehen Stier und Venus damit auch ganz konkret für wirtschaftliche Stabilität, Finanzen und Besitz. 

 

Die Gründe, warum jemand keinen gesunden Selbstwert aufbauen kann sind sehr vielfältig und die Strategien, mit einem mangelnden Selbstwert umzugehen, können sehr unterschiedlich gelagert sein: Der eine neigt vielleicht dazu, alles Materielle und Sinnliche ganz abzulehnen, der andere neigt zu übermäßiger Kompensation durch das Anhäufen materieller Sicherheiten und Werte.

 

Ein tief verankerter Selbstwert spiegelt sich jedoch nicht unbedingt in angesammeltem Besitz. Vielmehr sind es oft gerade diejenigen, die äußerlich sehr viel erreicht haben und scheinbar alles haben, die sich innerlich leer und wenig wertvoll fühlen. 

 

Selbstwert entwickeln - Der Weg über den Körper.    

Ein Selbstwertgefühl, das tiefen inneren Halt gibt, kann man jedoch lernen und auch später im Leben noch entwickeln. 

 

Ein wichtiger und ganz unmittelbarer Weg, um zu sich selbst zu kommen und gut bei sich zu sein, ist der Weg über den Körper. Ein Gespür für den eigenen Körper, seine Bedürfnisse und Impulse fördert ein selbstverständliches Gefühl für die eigene natürliche Wertigkeit.

 

Ich brauche den Kontakt zu meinem ureigenen psycho-physischen Impuls, meinen Trieben, ganz spontan gefühlten Zu- und Abneigungen, Gefühlen von Lust, Unlust, Wut, Ekel, instinktivem Ja und instinktivem Nein (Widder/Mars - dazu voriger Beitrag v.18.April 2015), um mir das für mich Stimmige nehmen oder mich auch gegen das Nicht-Stimmige wehren zu können und mir so Substanz und Eigenraum (Stier/Venus) aufbauen zu können.

 

Mitunter verlernt bzw. verliert der Mensch über all die Jahre gut gemeinter Erziehung und Prägung, sozialer Anpassung und Leistungsbereitschaft den Kontakt zu diesem unmittelbaren Impuls. Vielleicht hat er dann  zwar eine Vorstellung davon entwickelt, was er sein will und wertvoll findet. Er lebt dann aber mehr aus einem Konzept als aus einem gesunden Gespür für sich selbst und seine Natur. 

 

Vielleicht ist er so lange in seinen eigenen Impulsen nicht positiv bestätigt worden oder hat sie so lange selbst unterdrückt, dass er für  sich erlernt hat: das was ich spüre ist falsch. Er wird sich dann nicht nur in seinem Körper unwohl fühlen oder gar alles Körperliche ablehnen, sondern sich als ganze Person irgendwie falsch fühlen und damit auch nicht wertvoll fühlen können. 

 

Im schlimmsten Fall fühlt er sich sogar „richtig“, wenn er sich schlecht fühlt und sucht immer wieder eine negative Selbst-Bestätigung, weil es das ist, was ihm bekannt und vertraut ist. Er kann sich selbst und das Leben nicht wertschätzen und genießen. 

 

Spirituelle und therapeutische Wege, die das Wissen des Körpers integrieren und als Weg zur Ganzheit verstehen, können sehr hilfreich sein, um ein Gefühl für das eigene Richtig- und Wertvollsein wieder herzustellen. Ich bin in der körpertherapeutischen Arbeit immer wieder tief berührt davon, wie viel Weisheit im Körper wohnt und wie viel Vertrauen, Kraft und gesunde Selbstliebe erwachsen kann, wenn dem Wissen des Körpers vertraut wird. 

 

Seelische Energie kann über Jahre im Körper festgehalten werden und sich in Haltung, organischen und seelischen Krankheiten manifestieren. Sie kann aber auch über den Körper Lösung und Befreiung finden. Es liegt eine enorme Kraft zu Heilung und Entwicklung darin, den Impulsen aus dem Körperwissen Raum zu geben und zu folgen.

 

Gerade für Menschen, die eher zum Rationalen und Analytischen neigen, kann ein solcher Weg über den Körper viel Heilung und Rückführung zu sich selbst bringen.  

 

Stabiler Stand - Selbstvertrauen und Halt im Leben. 

Der Körper ist nicht nur Barometer sondern auch Instrument der Selbstwerdung. Über die Arbeit mit dem Körper kann man auch lernen, Selbstvertrauen und inneren Halt zu finden.   Einem unsicheren Menschen sieht man es am Körper an, dass er kein Selbstvertrauen hat. Man kann es daran sehen, dass er sich eng und klein macht, sich ängstlich an sich selbst festhält, eine schützende Haltung einnimmt, einen Schutzpanzer um sich trägt, keine starke Mitte oder keinen stabilen Stand hat. 

 

Ich kann durch das Einüben eines stabilen Standes inneren Halt und  Stehvermögen entwickeln: Ich kann mir vorstellen, wie ein Baum fest dazustehen, der Stand stabil mit dem Schwerpunkt zwischen Fußballen und Fersen, die Knie weich, das Zentrum in der Körpermitte gelöst, die Kraft mit gespanntem Muskeltonus der Beine aus der Körpermitte in die Erde schicken. 

 

Dazu kann ich mir vorstellen, wie der Atem beim Ausatmen in die Erde fließt und ich mit ihm Wurzeln schlage, wie ich mit der Einatmung Energie aus der Erde bekomme, die bis hoch zum Scheitel als würde ich hier eine Baumkrone in Richtung Himmel entfalten. Das Bewusstsein dabei im Körper halten, vor allem bei den Füßen.

 

Wenn ich lange und wiederholt so stehe, kann Selbstvertrauen wachsen. Ich kann im Körperwissen eine Erfahrung von innerer Stabilität verankern. Vielleicht kommen Bilder dazu, die das Erleben verstärken oder eine Affirmation, die ich mit dem Körpergefühl verbinden kann:  „Ich bin stabil und sicher. Ich bin wertvoll und richtig mit dem was ich habe und genauso wie ich hier bin.“

 

Die Kraft der Erdung - Befreiung und Öffnung.

Oft sind es aber auch gerade Menschen, die sich nach außen stark, scheinbar selbstsicher und unbezwingbar darstellen, die innerlich in Wirklichkeit sehr unsicher sind. Sie haben dann ihren Mittelpunkt zu weit oben, halten sich „oben und außen fest“,  all ihre Energie ist oben gehalten, der Stand irgendwie steif. Sobald eine äußere Bestätigung, bestimmte Resonanz oder ein erhoffter Erfolg wegfällt, verlieren sie ihren Halt. Sie können ihren Wert und Halt nicht aus sich heraus fühlen.  

 

Eine wunderbare Lehrerin von mir, bei der ich viel über Energie und die Chakren gelernt habe, Dr. Anodea Judith, hat mir ein Prinzip aus dem Yoga so deutlich vermittelt, dass es seither wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit ist - so schlicht und wesentlich wie es ist: 

 

Um nach oben zu gelangen, um mich wirklich von innen gesund aufrichten und authentisch wachsen zu können, muss ich mich aktiv nach unten verankern. Das ist körperlich zu erfahren und zu üben und ins gesamte Leben zu integrieren: Die Ausrichtung nach UNTEN öffnet den Energiefluss nach OBEN. Je stabiler unsere Erdung, desto mehr Freiheit und Ausdehnung können wir erfahren.

 

Jede Asana, jede Körperhaltung im Yoga, lebt davon, dass ich eine stabile Basis aufbaue. Aus dem Druck nach unten ergibt sich eine Kraft, aus der ich stark, weit und offen werden kann, aus der ich meine Wirbelsäule, meine ganze Haltung, mein ganzes Leben von innen aufrichten und weiten kann. 

 

Nicht die „Vorstellung von oben“ richtet mich auf - im Gegenteil, sie zieht mein Energiezentrum aus der Mitte nach oben in Richtung Brust und Kopf. Sie lässt mich innerlich instabil werden, denn sie ist nicht von innen erspürt, gewachsen und gehalten.

 

Es ist das Gefühl für meine Basis, meinen Körper und seine Bedürfnisse, das Gefühl für meine sinnlichen Wurzeln, das mir erlaubt, groß zu werden, die Energie frei fließen zu lassen und vor allem auch: mich dem Leben zu öffnen!  

 

Und hier noch einige Anregungen für ein persönliches Update zum Stier Neumond: 

  • Was kann ich tun, um das Leben mit allen Sinnen wieder mehr zu genießen.
  • Wie bewusst nehme ich mich selbst wahr, meinen Körper und alles was ich berühre.
  • Was möchte ich konkret körperlich tun, um mich selbst wieder mehr zu spüren.
  • Was kann ich besonders gut, was habe ich bereits erreicht und gemeistert im Leben.
  • Was habe ich bereits und muss nicht erst erreicht werden, was ist heute schon da.
  • Habe ich Kontakt zur Erde und zur Natur und möchte ich davon vielleicht mehr.
  • Kann ich eine Körperübung oder Meditation für inneren Halt in meinen Alltag integrieren.
  • Was bin ich mir wert: Malen Sie sich ein Bild zu Ihren Stärken und Talenten. 
  • Welcher Glaubenssatz lässt Sie meinen, nicht gut genug zu sein, wie formulieren Sie ihn um. 
  • Machen Sie sich jeden Abend bewusst, was Sie am Tag erreicht haben, auch kleine Dinge.
  • Dankbarkeit! Stärkt nicht nur das Immunsystem sondern auch das Bewusstsein für das, was schon ist. 

 

Julia Engel, 18. Mai 2015

 

Bild: Ajax by John Steuart Curry / www.pixabay.com / tpsdave