Nachhaltige Entschleunigung braucht mehr als Wege zur Entspannung.

Hinter der Sehnsucht nach Entschleunigung steht das Bedürfnis, sich zutiefst lebendig und mit dem Leben in Verbindung zu fühlen. Die Betonung liegt auf FÜHLEN. Eine Eigenschaft, die wir uns zurück erobern dürfen, wenn wir uns auf den Weg in ein entschleunigtes Leben machen wollen.

Zeit sparen macht uns arm.

Wenn wir von Entschleunigung sprechen, dann denken wir zunächst an den Faktor Zeit. „Dafür habe ich keine Zeit“ – so lautet das neue Armutscredo der westlichen Welt. Denn woran wir definitiv nicht reicher werden, wenn wir sie sparen: ist unsere Zeit. Das unterscheidet die Zeit eben doch sehr  vom Geld.

Der Soziologe Prof. Hartmut Rosa hat dies in seiner Arbeit über die Entschleunigung deutlich herausgestellt: All die Zeit-Optimierungs-Techniken bringen uns gefühlt kein Mehr an Zeit – im Gegenteil.

Ob es nun die technischen Errungenschaften sind, die unser Leben optimiert haben oder auch die vielen Zeitmanagement-Methoden: Je mehr wir irgendwo Zeit einsparen, desto mehr füllen wir sie wieder mit neuen Reizen und Möglichkeiten. Gefühlt werden wir dann wieder ärmer an Zeit.

Zeit hat eine Qualität.

Es ist doch interessant, dass sich die alten Weisheitslehren und Erfahrungswege eigentlich schon immer
mit dem Erleben von Zeit befasst haben. Diesem uns heute zunehmend wertvoller werdenden Gut.

Die alte Kunst der Astrologie weiß: Zeit hat eine Qualität. In der Praxis des Yoga oder auch der Achtsamkeitslehre, die im Buddhismus ihre Wurzeln hat und uns heute als Methode zur Stress Reduzierung (MBSR)  zugänglich ist, geht es ebenso um das bewusste Erleben von Zeit:

Mithilfe unserer Sinne nämlich wahrnehmen zu lernen, was im Augenblick, was JETZT WIRKLICH ist, wahrnehmbar, spürbar. Jenseits unserer Gedanken, Vorstellungen und Bewertungen, jenseits von dem was gestern war und dem was morgen noch kommen mag.

Es geht also – wenn wir uns mit Entschleunigung befassen – um Bewusstsein und Zeiterleben, also darum WIE wir erLEBEN.

Die Falle der Selbstoptimierung.

Allerdings greift es deutlich zu kurz, wenn wir meinen, das Bedürfnis nach Entschleunigung wird allein durch irgendeine Methode zur Stressreduzierung erfüllt. Die Gefahr, dass die Yogapraxis, die Meditation oder Methode welcher Art auch immer auch wieder zum Instrument der Selbstoptimierung degeneriert, ist groß.

Dann muss man/frau auch noch ein „besonders gut“ praktizierender Yogi oder Meditierender werden. Ich habe es selbst in meiner Zeit als Yogalehrerin lange beobachtet, wie viel Optimierungsdruck allein in der Yogaszene präsent ist.

Nicht selten sehe ich es an den Klienten in meiner Praxis: Menschen, die einmal ein Burnout hinter sich haben übertragen ihre Struktur des „Besser-Werden-Müssens“ leicht auf ihre neuen Lebensthemen. Dann regieren die  inneren Antreiber schnell auch wieder über das, was nun eigentlich mehr Freude und Leichtigkeit bringen soll.

Wir brauchen absichtslose Räume.

Der Optimierungswahn ist genau eine der großen Ursachen für unsere beschleunigte und überfordernde Welt. Eine weitere Optimierungsoption bringt uns daher wenig – auch wenn sie Yoga oder Meditation heißt.

Und was ist an einer Freizeit frei, wenn sie von vorne bis hinten zugeknallt ist mit Terminen und Plänen. Was soll sich entfalten können in all der Geschäftigkeit? Um runter und gleichsam in den Flow zukommen,  braucht es absichtslose Zeit-Räume!

Das sind Zeiten in denen wir uns bewusst frei machen von allem Sollen und Müssen. Sich diese Frei-Räume zu schaffen ist meist eine Herausforderung, die bei der eigenen inneren Haltung beginnt: „Nix machen, nur sein – wer sind wir dann noch?“

Es scheint heute eine der größten Herausforderungen zu sein, nur ein Mü Zeit frei zu schaufeln für die eigene Gesundheit, das eigene Sein, die Begegnung mit sich Selbst. Ich erlebe es in meiner Praxis immer wieder. Als sei es etwas beschämendes, sich dieses Recht auf die Zeit mit sich selbst zu nehmen.

Alles Mindset oder was?

Damit kommen wir zur zweiten Falle „zu kurz gedachter“ Entschleunigung: Recht verbreitet ist die Erkenntnis, dass wir eine Menge Unheil mit unseren Gedanken anrichten. Allenthalben wird vom richtigen Mindset gesprochen und hier vor allem dem gesünderen Umgang mit unseren Gedanken.

Wer sich und seinen destruktiven Denkmustern auf die Schliche kommt, der hat schon einen großen Schritt getan auf dem Weg der Heilung.  Allerdings beruht die Lehre der Achtsamkeit nicht von ungefähr auf drei Säulen: der Achtsamkeit mit den Gedanken, dem Körper und den Gefühlen. Vor allem die letzte Säule fällt des Öfteren unter den Tisch.

In großen Teilen haben wir das Fühlen regelrecht verlernt. Die kulturellen, historischen, sozialen und entwicklungspsychologischen Gründe dafür aufzuzeigen, ist einen eigenen Text wert. Die Errungenschaften der Aufklärung, kollektive und individuelle Traumatisierungen, auch die lange Vorherrschaft vermännlichter Lebensprinzipien sind da relevant.

In Resonanz mit dem Leben.

An dieser Stelle sei festgehalten: Wir entschleunigen nachhaltig dann, wenn wir uns mit dem Leben zutiefst in Verbindung fühlen – also: FÜHLEN! Das braucht Resonanz, Schwingung, In-Beziehung-Sein mit der Welt. Und um das sein zu können – in Resonanz – müssen wir zunächst mal in unserem eigenen Resonanzkörper zu Hause sein, in unserem Körper.

Jede körperorientierte Praxis hilft, Bewusstsein für das Resonanzorgan das wir sind zu entwickeln und unsere Schwingungsfähigkeit zu erhöhen. Auch Gefühle, von denen wir mitunter so abgeschnitten sind, wieder wahrnehmen zu lernen, gehört hierher. Denn was wir nicht fühlen können oder wollen blockiert Lebensenergie und Schwingungsfähigkeit.

Die Depression in die die Ausgebrannten geraten, ist ein Zustand von Gefühlsleere und Abgeschnittensein. Die Betroffenen können sich mit nichts und niemandem mehr in Verbindung fühlen. Es ist ein Zustand von Dunkelheit, Schwere und Starre. Da räsoniert gar nichts mehr.

Locker und intensiv: Verbundenheit fühlen.

Wir brauchen also Lebensbereiche, in denen wir in Schwingung kommen, in maximale Resonanz mit dem Leben, in denen wir mit jeder Zelle fühlen können, dass wir lebendig sind.

Das sind die berühmten Flow-Momente, in denen wir uns selbst vergessen, in denen wir ganz aufgehen, uns mit etwas Größerem als uns Selbst in Verbindung fühlen, in denen wir mehr von etwas ergriffen sind, mehr uns dem Leben hingeben als es unter Kontrolle haben. Es sind Zustände, die zugleich locker und intensiv erlebt werden, ein tiefes Erleben ohne Krampf und Druck, ein Erleben von Qualität, nicht von Quantität.

Das sind die Resonanzfelder des Lebens, in die wir etwas hinein geben und ebenso viel zurück bekommen. Es geht hier um eine Wechselwirkung. Der Entschleunigungsforscher Rosa nennt es Resonanz-Beziehung – ganz ohne esoterische Referenz.

Persönliche Resonanzfelder finden und leben.

Diese Resonanzbeziehungen erfahren wir vor allem im Sozialen, im Spirituellen, in der Natur, in jedem schöpferischen Prozess und in allem, was den Körper zum Schwingen bringt. Ob das beim Tanzen ist oder beim Singen, beim Gärtnern oder Wandern. Jeder höre hier auf seine ureigene innere Stimme, die auch wieder körperlich wahrzunehmen ist.

Wenn Sie daran leiden, dass Sie nicht runterkommen können. Dann sollten Sie sich – neben einigen körperlichen Betätigungen, die einfach auch dem Spannungsabbau dienen – einmal überlegen: was sind es für Bereiche, wo Sie sich selbst vergessen? Wonach sehnt sich Ihr Herz?

Resonanz kann man fühlen, Zeit hingegen nicht. Und die beste Investition, die wir wohl tätigen können – wenn es um ein entschleunigtes und erfülltes Leben gehen soll – ist das Verschwenden von Zeit an die Resonanzfelder unseres Lebens.

 

In diesem Sinne wünsche ich viel Freude
auf dem Weg in Ihr erfülltes Leben!

JULIA ENGEL

 

Nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit und stellen Sie sich die folgenden Fragen:

  • Wo kommen Sie ganz von selbst in diese Schwingung von Resonanz und Flow?
  • Wieviel Raum geben Sie diesen Resonanzfeldern und Flow-Aktivitäten in Ihrem Leben?
  • Wieviel Zeit sind Sie bereit, in diese Momente von Hingabe an das Leben zu investieren?
  • Welchen Wert räumen Sie diesen Flow-Momenten und Resonanzfeldern ein?
  • Was würden Sie tun, wenn Sie jeden Tag eine Stunde Zeit geschenkt bekommen würden?
  • Und wenn Sie einen Tag in der Woche geschenkt bekommen würden?
  • Wie würde sich das anfühlen?
  • Und was können Sie hier und heute tun, um diesen Feldern mehr Raum zu geben?

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Julia Engel

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Menschen die mich gut kennen sagen über mich, ich sei der personifizierte Wandel. Früher habe ich mich falsch dafür gefühlt. Dann hat mir mal jemand gesagt, ich sei meiner Zeit mindestens 25 Jahre voraus. Seitdem muss ich mich nicht mehr falsch fühlen, sondern stelle meine Leidenschaft für gesunde und Sinn stiftende Zukunftsgestaltung dem Leben zur Verfügung.

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