5 gute Gründe, warum es sich lohnt, gesunde Grenzen zu kultivieren.

Die Krux mit den Grenzen Teil_1

Bei allem Wunsch nach Verbundenheit, der uns allen innewohnt (so jedenfalls die Neurowissenschaftler ebenso wie die alten Weisen aller Traditionen…) – ist es für die Ausbildung einer starken und gesunden Persönlichkeit – und ja, eben auch besonders für den Kontakt mit anderen, für unsere Fähigkeit zur Verbundenheit essenziell, gesunde Grenzen zu kultivieren.

Warum fällt das so vielen von uns so schwer?
Ein klares Ja zu sagen, und ein klares Nein?

Warum fällt das so vielen von uns so schwer? Rechtzeitig wahrnehmen und dann auch ausdrücken zu können, wann etwas zu viel wird und zu nahe geht. Und wann es vielleicht ganz das Gegenteil ist:  Wenn nämlich alles um uns herum uns zu weit weg gerät – und wir das Gegenteil von Verbundenheit wahrnehmen, eine große Trennung von allem, uns selbst, anderen, der Existenz.

In dem einen Fall sind wir auf eine Art zu dünnhäutig und in dem anderen Fall ist unsere Haut quasi zu dick geworden. Wenn wir uns zu sehr in uns selbst zurückgezogen haben, unsere Grenzen panzerglasartig werden und uns mehr gefangen halten als zu schützen.

In beiden Fällen haben wir es nicht mit befriedigenden, gesunden Grenzen zu tun. Wir ahnen, das mit den gesunden Grenzen ist ein sehr grundlegendes und auch komplexes Thema. Ich möchte hier versuchen, ein wenig Klarheit zu schaffen.

 

0. Warum brauchen wir sie, die gesunden Grenzen?

Also nochmal vorab: warum brauchen wir sie, die gesunden Grenzen? Und damit auch: warum lohnt es sich, sich auch als erwachsener Mensch nochmal auf den Weg zu machen, um nachzuholen, was uns früher vielleicht nicht gelungen ist: gesunde Grenzen zu kultivieren. Ich spreche von kultivieren, weil alles was wir nachhaltig ins Leben integrieren wollen Praxis braucht, die Pflege unserer Äcker.

Wenn wir den Wert der Verbundenheit kultivieren wollen (ich jedenfalls möchte dies, denn es ist einer der höchsten Werte meiner Arbeit), dann geht es ohne diesen gelingenden Grenzraum zwischen ich und du nicht. Und das betrifft alle Formen von Beziehungen: private wie professionelle, die Beziehung mit anderen wie auch die mit mir selbst.

Jede/r, der/die irgendwie gelingende Beziehungen gestalten will, sollte ein Experte für diesen Grenzraum zwischen Ich und Du werden. Denn es sind oft gerade die Kontaktbegabten, die später in ihrem Leben an ihrer Begabung erkranken, weil sie allzu lange über ihre Grenzen gegangen sind.

 

1. Gesunde Grenzen gestalten gelingende Beziehungen.

Jede Form von psychosozialer Belastung mit all den Schwierigkeiten bis hin zu ausgewachsenen psychischen Erkrankungen, die in und durch Beziehungen entstehen, haben mit dem Grenzraum zwischen ich und du zu tun. Auch Energieverlust im Kontakt ist in der Regel eine Folge davon, dass wir keine gesunden Grenzen haben – hier in der Art, dass das Geben und Nehmen irgendwo nicht stimmig ist.

Wenn ich irgendwo dauerhaft zu viel rausgebe und es kommt nicht entsprechend zurück, ist das genauso wenig gesund wie nichts rauszugeben und immer nur erwarten und erhalten zu wollen. Hier haben wir es mit dem energetischen Handelsraum zwischen ich und du zu tun.

Gesunde Grenzen gestalten den Beziehungsraum zwischen ich und du – und damit den so wesentlichen Raum zwischen unseren beiden wesentlichen Grundbedürfnissen, dem nach Autonomie einerseits und dem nach (Ver-) Bindung.

 

2. Gesunde Grenzen halten einfach gesund.

Eben schon angesprochen das Thema mit dem Energieaustausch zwischen ich und du. Unser Energiehaushalt ist insgesamt wesentlicher Ausdruck davon, wie wir mit unseren Bedürfnissen, Belastungen und Ressourcen umgehen.

Hier geht es vor allem um Gestaltung und Regulation des Grenzraumes zwischen den belastenden Faktoren in meinem Leben auf der einen Seite und den mir zur Verfügung stehende Ressourcen auf der anderen Seite. Wir alle müssen ständig auch mit Belastungen zurechtkommen. Wir brauchen sie sogar, um uns vital fühlen und uns entwickeln zu können.

Wichtig ist hier für die gesunde Selbstführung, herauszufinden, ob ich meine Belastungsgrenzen kenne (die Fachsprache nutzt hier den Ausdruck Beanspruchung) und vor allem auch, ob mir meine Ressourcen bewusst sind und wie es mir gelingt, auf sie zuzugreifen.

Hier herrscht aber leider teilweise großes Nichtwissen einerseits. Ungünstige und nicht wirklich geeignete Bewältigungsstrategien kommen dann hinzu. Dazu mehr im zweiten Teil dieses Artikels. So viel an dieser Stelle: Gesundheit ist ein immer währender Balanceakt, der im Grenzraum stattfindet zwischen Belastung und Ressourcen. (Ja, und dazu gehört auch eine Portion Eigenverantwortung und Gestaltungslust.)

 

3. Gesunde Grenzen bilden unseren Selbstwert.

Wer es einmal erlebt hat, wie souverän es sich anfühlt, klar zu sich zu stehen oder wer schon solche Menschen als Gegenüber erlebt hat, die sich sehr klar und souverän ausdrücken und positionieren, der/die weiß, wie unglaublich angenehm sich das anfühlt, wenn sich zwei so erwachsene Menschen begegnen.

Stehe ich selbst klar zu mir, hebt mich das. Es ist eine Wahrnehmung von Ausdehnung und gleichzeitig ganz präsent und da sein. Ich werde energetisch groß und weit und bin trotzdem sehr deutlich und zentriert bei mir, in mir verankert.

Wir sprechen dann davon, den eigenen Raum einzunehmen – was zutiefst physisch und energetisch wahrnehmbar ist. Wer klar seinen Raum einnehmen kann, erlebt sich als wertvoll. Unser Gefühl von Selbstwert ist eng verbunden mit unserer Fähigkeit, unseren Raum einzunehmen.

Wenn mir andersherum so ein Mensch begegnet, dann ist das ähnlich: Ich bekomme vielleicht kein Ja auf mein Anliegen und muss mit einem Nein umgehen. Aber ich erlebe ein sehr klares und optimalerweise dabei noch freundliches Gegenüber, was mir wiederum die Wahrnehmung erlaubt, ernst genommen zu werden.

Kaum ein Mensch ist so angenehm wie jener, der mir sehr klar und deutlich sagt, was für ihn stimmig ist und was auch nicht. So macht Begegnung richtig spaß. Keine Manipulation, kein Hinten-Rum, kein Beleidigt-Sein… Der Himmel auf Erden, oder?

 

4. Gesunde Grenzen sind Ausdruck unserer Würde.

Eine Speakerin auf meinem Holistic Leadership Summit sagte, dass es sogar Ausdruck unserer Würde ist, gesunde Grenzen zu setzen. Es war Verena König, die als Expertin für Traumafolgen besonders diejenigen im Blick hat, die früh in ihrem Leben Grenzverletzungen erlebt haben – denn nichts anderes ist Trauma.

Bei der traumatischen Erfahrung ist irgendwo über unsere Grenze gegangen worden. Die Folge davon: wir haben kein Vertrauen, dass wir sie haben dürfen diese Grenzen.

Und je stärker unsere Grenzen verletzt wurden (was sehr subtil und deswegen nicht minder traumatisierend erfolgen kann), desto schwerer fällt ihre Rückeroberung in späteren Jahren. Es fällt uns dann extrem schwer, unsere Bedürfnisse und Grenzen auszudrücken. Wir neigen dann dazu, Mauern um uns herum zu bauen und uns in uns selbst zurückzuziehen.

Wenn wir uns aber einmal bewusst machen, dass es eben Ausdruck unserer Würde ist, unsere Grenzen auszudrücken, dann ist das ein hilfreiches inneres Bild für unseren Heilungsprozess.

Und wenn wir uns dann noch bewusst machen, dass es auch ein Ausdruck der Würde meines Gegenübers ist, ihm zuzumuten, mit meiner Grenze zurecht zu kommen, dann wird die Sache rund. Weil wieder: Kontakt zwischen zwei souveränen erwachsenen Menschen. Toll!

 

5. Gesunde Grenzen bringen Klarheit und Spaß.

Wenn sich zwei starke souveräne Menschen begegnen, die klar verhandeln über ihre Bedürfnisse, Wünsche und Grenzen, dann ist das mitunter nicht immer kuschelig, weil es natürlich auch zu Konflikten führt. Aber: es herrscht Klarheit! Das was uns krank macht – in unseren Zweierbeziehungen wie auch in unseren Teams sind die schwelenden und nicht ausgesprochenen Konflikte.

Wenn ich irgendwohin komme, wo das Betriebsklima im Eimer ist, dann ist das deswegen im Eimer. weil die sozialen Beziehungen im Raum unausgesprochen konfliktbeladen sind.

Schwelende Konflikte machen jedes Betriebs- und Beziehungsklima kaputt. Leider ist das sogar besonders ein Thema bei den so genannten ‚Kuschelteams‘, also bei denen, denen ihr soziales Miteinander besonders wichtig ist. Es hat sich gezeigt, dass diese meist wenig konfliktfähig sind. Konfluenz heißt das dann. Lieber verschmelzen als klar zu sein und ein gewisses Getrenntsein zu ertragen.

Also: Liebe beginnt nicht mit Kuscheln, sondern mit einem Nein. Der Psychiater Schellenbaum schreib einstmals das Buch ‚Das Nein in der Liebe.‘ Ich denke, es ist bis heute empfehlenswert.

Und zu guter Letzt: Klare und souveräne Kontakte bringen einfach Spaß!

Dafür braucht es einiges… Forschen, Aufdecken, Heilen, Betrauern, Mut, Akzeptanz, Praktizieren, Kultivieren..
Und dafür wieder braucht es sichere Erfahrungsräume – in gut geführter Einzel- und/oder Gruppenarbeit,
ein gutes Team Coaching kann hier auch weiterhelfen.

Mein Mentoring Programm SOLID GROUND bietet einen solchen Wachstumsraum.

Wenn Du Interesse hast, kannst Du noch an Bord kommen. Am 9. Juni geht es los.

Soweit für heute, die 5 guten Gründe warum es sich lohnt gesunde Grenzen zu kultivieren.
Im nächsten Beitrag geht es weiter mit den Gründen, warum es uns mitunter so schwer fällt mit den Grenzen
und wie es denn letztlich gelingt, sie zu setzen..

In diesem Sinne: von Herzen alles Gute für Dich und Deinen Weg,

Deine JULIA

 

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